Erntedank in München

 

 

 

Erntedank, ist das nicht ein Begriff, der schon längst in den Schubläden und Archiven der Brauchtumsforschung verschwunden ist? Fühlen wir, sogenannte „ moderne Menschen“, Landleute wie Großstädter gleichermaßen uns nur noch wenig berührt? Gewiss, wir feiern und freuen uns an diesem Tag; unsere schönen bairischen Trachten und Fahnen ziehen

auf, die Altäre unserer Kirchen sind geschmückt mit den Erträgen des Landes, Musikkapellen bringen Herz und  Sinne  in Stimmung. Sicher auch denken wir an den Schöpfer, der die Früchte unserer Erde in seinem Lebensplan für uns ermöglicht hat.

Erntdank, das war für unsere Altvorderen ein Wort von hoher Bedeutung. Unwetter, Feuer und Schädlingsfraß haben Ernten gefährdet. Der Bauer vergangener Tage fühlte sich bedroht durch schwarze magische Wesen: der Billmesschneider war gefürchtet, ebenso das Feuer durch Blitzschlag, ausgelöst durch Thor, den Gott der germanischen Sage. In der Angst vor Hexen und  Unholden beteten viele um Schutz zu Jesus und Maria, einbeziehend die ehrwürdigen Gestalten der himmlischen Heerscharen. Auch heute noch legen Frauen und Mädchen der Erntearbeiter das Birgittskreuz (ein Kreuz aus Getreidehalmen geflochten) auf den abgeernteten Feldern in Irland aus.

 

 

Und jetzt, wo stehen wir heute? Ängste und Sorgen sind weitgehend besiegt, Chemie und Technik haben unsere Erde ertragreicher gestaltet, Schädlinge dezimiert, die Qualität der Frucht verbessert und Versicherungen schützen vor lebensbedrohenden Notlagen.

Wozu also Erntdank noch heute? Sind wir doch überzeugt, unsere Probleme selbst lösen zu können!

Denn: uns gehört die Erde und wir bestimmen, was sie trägt. Dieses Selbstverständnis sollte uns aber zum Nachdenken veranlassen. Ohne die immer wirkende Kraft eines Schöpfers kein Leben, keine Kornfelder, keine Weiden, keine Bäume und keine Gewässer! Und hier ist es Zeit, uns in Demut und Dankbarkeit unseren Vorfahren anzuschließen – wir nennen es schlicht und einfach Erntedank. Kein Chemiekonzern und keine Bodenreform kann das jahrtausende lange Wirken jener Kraft ersetzen, durch welche das Leben und Gedeihen auf unserem Planeten möglich wird

Genau diese Grundgedanken haben den Trachten Gau München bewegt, Erntedank in der Stadtpfarrei St. Canisius zu begehen, um Dankbarkeit und Ehrfurcht unserem Schöpfer zu erweisen. Durch die Unterstützung von Ismaninger Landwirten war es uns möglich mit Obst, Gemüse und  Getreide sowie mit  der Erntekrone die die Jugend von Alt- Miesbach München gebunden hat, das Sinnbild der Krönung und der Schöpfung zu gestalten.  Der gebundene Erntekranz als Sinnbild für Anfang und Ende ergänzte den prächtig geschmückten Erntedankaltar.

Möge uns unser Herrgott noch lange vor Hungersnot bewahren.

 

Dr. Rudolf Scheininger / Harry Fischer

 

 
     
 

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